DER PFARRER VON KOSEROW UND DIE BERNSTEINHEXE


Im Jahr 1843 wurde ein Roman veröffentlicht, der die Zeitgenossen in Begeisterung versetzte. Es handelte sich um einen einzigartigen Bericht, der Elend und Schrecken des Dreißigjährigen Krieges so anschaulich beschrieb, dass niemand daran zweifelte, ein historisches Dokument in den Händen zu halten. Der Titel lautete umständlich »Maria Schweidler, die Bernsteinhexe. Der interessanteste aller bisherigen Hexenprozesse nach einer defekten Handschrift ihres Vaters, des Pfarrers Abraham Schweidler in Coserow auf Usedom«. Herausgeber war ebenfalls ein Pfarrer aus Koserow, Johann Wilhelm Meinhold, der im Vorwort darlegte, dass er die Geschichte in einem alten und teilweise unleserlichen Folianten gelesen habe, den er unter dem Chorgestühl in der Koserower Kirche gefunden habe.

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Maria Schweidler, die Bernsteinhexe – Englische Version

Die Geschichte der Maria Schweidler war tatsächlich in einer altertümlichen Sprache geschrieben, im getragenen Stil einer Chronik, der jeden von der Echtheit überzeugte. Sie erzählt von jener furchtbaren Armut, der die einfachen Menschen von Koserow unter der Geißel des Krieges und der unbarmherzigen Landjunker ausgesetzt waren. Und vom Neid, der das Pfarrerstöchterlein beinahe ins Unglück gestürzt hatte. Sie fand nämlich eines Tages, als sie Beeren sammeln wollte, da es nichts anderes mehr zu essen gab, am Ufer des Streckeisbergs große Brocken Bernstein. Heimlich wurde der Schatz verkauft und vom Erlös das Überleben der Familie gesichert. Doch die Tatsache, dass es im Pfarrhaus wieder etwas zu essen gab, das Geheimnis dessen aber nicht preisgegeben wurde, brachte das Mädchen in den Ruf, eine Hexe zu sein. Ein Prozess begann, der mit der Verurteilung Maria Schweidlers zum Tod auf dem Scheiterhaufen endete. Doch in letzter Minute wurde sie gerettet, und lebte glücklich bis an ihr Ende … Eine Geschichte, wie sie im 17. Jh. bis auf das Happy End sicher hätte geschehen können.

Angesichts des Erfolgs seines Buchs bekannte Meinhold schließlich, dass er es selbst verfasst und die Legende um den Folianten nur erfunden hatte, um der Geschichte »ganz das Gewand der historischen Wahrheit« zu geben, was ihm ja auch durchaus gelungen war. Die Leserschaft fühlte sich genarrt und reagierte empört. Statt Anerkennung für eine beachtliche literarische Leistung erntete Meinhold nun Schande und Verachtung.

Seine anderen Werke gerieten in Vergessenheit. Dabei hatte der Pfarrerssohn, der 1797 in Netzelkow auf Usedom geboren wurde, zahlreiche Gedichte und heimatliche Reisebeschreibungen verfasst. Die Pfarrstelle in Koserow hatte er nur sechs Jahre lang inne. Weitere 17 Jahre verbrachte er als Pfarrer in Krummin, bevor er nach Hinterpommern versetzt wurde. Meinhold starb, wegen Aufmüpfigkeit gegen die klerikale Obrigkeit vorzeitig pensioniert, 1851 in Berlin-Charlottenburg. Seine >Bernsteinhexe< jedoch blieb ein Erfolg, trotz der Schmähungen zu Lebzeiten.

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