DER >PICASSO DES NORDENS< - OTTO NIEMEYER-HOLSTEIN


»Aus dem wird was, der klaut sich seine Farben aus dem Meer«, sagte einst Max Liebermann, Maler und Präsident der Akademie der Künste in Berlin, über den jungen Kollegen Otto Niemeyer-Holstein. Das Meer war es tatsächlich, beziehungsweise die Faszination des Nordens, dessen Licht und Rauheit er auf eine sensible und impressionistische Art einfangen wollte. »Warum male ich gerade immer wieder den Strand? … Weil’s da Interessantes gibt, weil’s da umkippt. Das ist die Schwelle, wo sich die Dinge stoßen – Land und Meer«, erzählte Niemeyer-Holstein in einem Fernsehinterview wenige Jahre vor seinem Tod.

Otto Niemeyer-Holstein
Otto Niemeyer-Holstein

Über 50 Jahre lebte er auf Usedom, zwischen Koserow und Zempin an der schmälsten Stelle zwischen Bodden und Ostsee. Lüttenort nannte er sein pittoreskes Domizil, keine Postadresse, sondern ein selbst geschaffenes Refugium, das heute selbst wie ein Gemälde wirkt. Der Garten scheint dazu angelegt, das Auge eines Malers zu erfreuen. Sorgfältig gepflanzte Blumen und Bäume, thematisch variiert, mal als Klostergarten, mal als japanischer Garten, werden ergänzt von Statuen und Skulpturen befreundeter Künstler, die ihm ihre Werke als Gastgeschenke überließen. Das Haus besteht aus einer Verschachtelung verschiedener Anbauten rund um den legendären S-Bahn-Waggon, den er 1933 für 65 Reichsmark in Berlin kaufte und unter Mühen bis nach Usedom bringen ließ, wo er der Familie als erste Behausung diente. Sein Atelier trägt die demonstrative Aufschrift »Tabu« – der Künstler mochte nicht gestört werden. In einem der Schuppen hatte er eine Galerie eingerichtet mit Werken seiner Usedomer Malerfreunde.

Der Maler, 1896 in Kiel als Otto Niemeyer geboren, hatte Jahre gebraucht, um Anerkennung als Künstler zu erlangen, was vor allem mit den politischen Umständen seiner Zeit zu tun hatte. Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet und von seiner großbürgerlichen Familie in die Schweiz zur psychischen Genesung geschickt. Dort nahm er das erste Mal Kunstunterricht, nachdem er mit verschiedenen Malern zusammengetroffen war. Dort auch übernahm er auf Vorschlag eines Freundes den Beinamen Holstein, der ihm auch riet, sich in der eigenen Heimat, im Norden, umzutun. Zunächst jedoch erprobte er das klassische Künstlerleben: Er ging nach Paris und schließlich nach Italien. In beiden Ländern fand er jedoch nicht die Inspiration, die ihn später so beflügeln sollte. In Berlin schließlich zeigten sich die ersten Erfolge, und er traf dort seine spätere Frau, Anneliese Schmidt.

Usedom kannte Niemeyer-Holstein bereits von mehreren Sommeraufenthalten. Doch 1933 beschloss er, mit seiner jungen Familie ganz überzusiedeln, auch wenn die Nähe der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde ihm einiges Unbehagen bereitete. Das Nazigeschrei in Berlin erschreckte ihn zutiefst, nicht nur als Künstler, sondern vor allem, weil seine Frau »Halbjüdin« war. Mit der Malerei konnte er dennoch kein Geld verdienen. Bis in die 1950er Jahre hinein musste er den Lebensunterhalt mit Segelausflügen für Touristen bestreiten. Erst ab Ende der 1950er Jahre konnte er mit eigenen Ausstellungen reüssieren und fand die Anerkennung, die seiner Kunst angemessen war.

Sein Haus und der Garten, Lüttenort, blieben nach seinem Tod so erhalten, wie er es selbst eingerichtet und auch verfügt hatte. Selbst das unvollendete Selbstporträt steht noch auf der Staffelei in seinem Atelier, und an der kleinen Anlegestelle dümpelt noch immer sein Boot. Er hat das gesamte Ensemble testamentarisch der Nachwelt hinterlassen, damit dort ein »Ort der Begegnung« entstehe und sein Nachlass nicht in alle Welt verstreut würde. Hinzugefügt wurde lediglich ein Galerieanbau, den der Künstler seinerzeit vorbereitet hatte, der aber erst vor kurzem vollendet werden konnte. Dort finden nun diverse Veranstaltungen, Begegnungen und Konzerte statt, bei denen gelegentlich auch der Bechstein-Flügel Niemeyer-Holsteins zum Einsatz kommt.

Otto Niemeyer-Holstein starb im Jahr 1984. Bestattet wurde er auf dem kleinen Friedhof von Benz, nicht weit von seinem geliebten Lüttenort entfernt.

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