Der Südosten 3


Luxusbad

Dennoch wurde Heringsdorf kein Ziel des Massentourismus, sofern man um die Wende zum 20. Jh. von diesem Phänomen bereits sprechen konnte. Der Ort blieb lange Zeit ein Luxuskurbad, in dem sich Hoch- und Geldadel sowie alle, die in Preußen etwas auf sich hielten und natürlich über die ent-sprechenden Finanzen verfügten, eine Villa bauten. Es gab seit 1907 eine Pferderennbahn, für die die Pferde extra aus dem damaligen Nobelhippodrom Berlin-Karlshorst importiert wurden, zudem ein Spielcasino und eines der größten Luxushotels der gesamten Ostseeküste, das >Kaiserhof Atlantic«. Zu den Gästen gehörten unter anderem die kaiserliche Familie, der Maler Lyonei Feininger, die Schriftsteller Maxim Gorki, Heinrich Mann, Theodor Momm- sen, Alexej Tolstoi, Theodor Fontane – und natürlich Karl Baedeker, der die Be- und Gegebenheiten seiner Reisen recht detailgenau abdrucken ließ.

Das Ende der Noblesse

Heringsdorf war im wahrsten Sinne des Wortes mondän, weltgewandt und für damalige Verhältnisse international. So bezeichnete der Schriftsteller und Romanist Victor Klemperer Heringsdorf als eine Art »frei gewähltes und freies Getto« des jüdischen Finanzadels, eine Anspielung auf den Ruf Heringsdorfs, das liberalste aller Seebäder Deutschlands zu sein, in dem sich ein überproportionaler Anteil jüdischer, aber auch ausländischer Gäste aufhielt.

Ab 1933 war solche Weltgewandtheit oder gar Offenheit nicht mehr erwünscht. Von 1935 an durften Menschen jüdischer Herkunft weder in deutschen Ostseebädern Ferien machen noch Grundbesitz ihr Eigen nennen. Ein Jahr zuvor errichteten bereits übereifrige Deutschnationale in der Nähe des Präsidentenbergs südlich von Heringsdorf eine Freilichtbühne, die als germanische Thingstätte bezeichnet wurde. Entsprechend ist dort weniger Kultur, sondern mehr Kult geboten worden, auch wenn es einige Aufführungen von Theaterklassikern gab. Man nutzte das Areal mehr für Aufmärsche und pathetische Sonnenwendfeiern. Die Arena liegt heute von Unkraut überwuchert inmitten der Wälder.

Nach Nazizeit und FDGB, die jeweils auf eigene Art zum Niedergang des liberalen Flairs beigetragen haben – auch wenn der Krieg, anders als in Swi-nemünde, in Heringsdorf zumindest keine architektonischen Narben hinterlassen hat -, erblühte das alte »Kaiserbad« nun wieder zu einem Nobelbad, das keine Wünsche offen lässt. Heringsdorf ist wieder das Juwel Usedoms, als würden rund 70 Jahre Geschichte des Niedergangs einfach mit einem Schulterzucken abgetan.

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Seebrücke

Rund um die Seebrücke

Heringsdorfs neue Seebrücke gehört zu den neuen Wahrzeichen Usedoms. Nicht nur gilt sie mit ihren 508 m als die längste Kontinentaleuropas, sondern ist auch mit einem postmo-dernen, pyramidenförmigen Pavillon geschmückt, der über den überdachten Seesteg zu erreichen ist, in dem zwei Restaurants zum Speisen über den Wellen einladen. Die Seebrücke wurde 1995 eingeweiht und etwa 50 m östlich der historischen errichtet.

Die alte Seebrücke mit verschnörkelten Aufbauten, Türmchen, Kolonnaden, Läden und Restaurants sowie Anlegestellen für größere und kleinere Schiffe war 1893 eingeweiht und mit Erlaubnis des Herrschers Kaiser-Wil- helm-Brücke getauft worden. Auch sie wurde wie die Ahlbecker Seebrücke zunächst durch Eisgang und Sturm schwer beschädigt, bis sie dann 1958 in Flammen aufging. Ein Neubau wurde damals nicht ins Auge gefasst.

Das neue Exemplar ist nun repräsentativer aufgebaut worden als der kaiserliche Vorgänger. 25 Geschäfte, zwei Kinosäle, Bistros und Cafes, deren Tische an sonnigen Tagen auf dem Vorplatz stehen, eine Disko, ein Fitnesscenter und ein Wachsfigurenkabinett (tgl. 10-21 Uhr) sind in den Bau-ten auf dem Landteil untergebracht. Darüber hinaus sind dort auch 19 Ferienwohnungen zu mieten, die neben feiner Ausstattung auch einen einmali-gen Blick auf Strand und Meer bieten.

Auch das Muschelmuseum hat auf der Seebrücke einen Platz gefunden. Etwa 3000 maritime Fundstücke aus aller Welt werden ausgestellt, Mu-scheln natürlich, aber auch Korallen und Bernstein. Im Museumsladen kann man sich mit allerlei Muschelkitsch eindecken, findet aber manchmal auch recht schöne Mitbringsel (Mai-Sept. tgl. 9-20, Okt.-April. tgl. 10-16 Uhr).

Der Vorplatz der Seebrücke ist halbkreisförmig und fast urban gestaltet, eine kleine Piazza am Strand. In der Mitte dreht sich der Kugelbrunnen, eine 2,5 t schwere Granitkugel, die auf einem Wasserfilm gleitet.

Einen urbanen Eindruck macht auch das Kurhotel schräg gegenüber dem Vorplatz. Der schmucklose Hochhausbau steht an der Stelle, an der sich das legendäre Hotel »Kaiserhof Atlantic« befand, das ab 1873 dort gebaut wurde und später zum Kempinski-Konzern gehörte. Während der DDR-Zeit wurde es in ein FDGB-Ferienheim mit dem Namen »Solidarität« umfunktionier und 1979 wegen Baufälligkeit gesprengt. Danach hat man dort eine Kurklinik errichtet, mit 1200 Betten für verdiente Parteigenossen. Nach der Wende wurde der Bau modernisiert und optisch etwas verschönert und fir-miert nunmehr als Hotel mit Kurangeboten. Beliebt ist die Einkaufs- und Freizeitpassage, die nach dem historischen Vorbild »Kaiserhof Atlantic« be-nannt wurde.

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