Der Südosten 4


Am Forum Usedom

Die Konzertmuschel und der Promenadenabschnitt zwischen Seebrücke und Forum Usedom wurden ebenfalls völlig neu gestaltet. Die neue Konzert-muschel [2], deren Vorgängerin aus dem Jahr 1929 stammte, ist nun mit modernster Technik ausgestattet und orientiert sich wie die Seebrücke an historischen Vorbildern, aber unter modernen Gesichtspunkten. Auch die Anlage drumherum ist großzügiger gestaltet, mit Ruhebänken, die inmitten eines offenen Platzes lauschige Nischen bieten.

Das Forum Usedom ist der kulturelle Mittelpunkt nicht nur Heringsdorfs. Dort finden die großen Veranstaltungen statt, Shows und Revuen, Konzerte und diverse Events. An gleicher Stelle stand einst das alte Strandcasino, bis es1946 einem Feuer zum Opfer fiel. Zwei Jahre später ließ die sowjetische Militäradministration dort ein Kulturhaus errichten, das ganz im Stil des bombastischen stalinistischen Neoklassizismus entworfen wurde. Nach der Wende wurde diese Einrichtung nicht nur überflüssig, sondern fand zunächst auch keine andere Nutzung. Es gab keine Geldgeber – zum einen, weil der Bau unter Denkmalschutz stand und massive Veränderungen sich von daher verboten, zum anderen auch, weil die alten sowjetischen Kulturhäuser viel zu groß für solche Orte waren.

In Heringsdorf jedoch fanden sich schließlich Investoren, und offenbar auch eine Administration, für die sich Denkmalschutz und Kommerz nicht zwangsläufig widersprachen. Das alte Kulturhaus wurde zum Forum Usedom um- und ausgebaut, die stalinistische Fassade erhalten, dafür das Innere modernisiert und neue Anbauten angefügt.

Heute birgt der Komplex Veranstaltungsräume, das Hotel Maritim Kaiserhof, die Kurverwaltung, Postamt und das Spielcasino, in dem man an 80 Glücksspielautomaten sein Geld verjubeln oder sich am American Roulette und Blackjack versuchen kann.

villa-luise-heringsdorf-usedom

Villa Luise Heringsdorf

Villen und Paläste

Einige der schönsten Villen Heringsdorfs findet man zwischen Delbrückstraße und Strandpromenade ab der Seebrücke Richtung Ahlbeck. Die meisten von ihnen wurden aufwendig restauriert und zu Apartment-Hotels umgebaut. Gleich hinter dem Kurhotel an der Strandpromenade befindet sich die Villa Oechsler [5, die im Jahr 1883 im Auftrag des Bankhauses Bleichröder erbaut und später von Baron Oechsler erworben wurde. Von der Promenade aus blickt man zwischen schönen, alten Bäumen hindurch auf den neoklassizistischen Portikus, in dessen Giebel ein Glas-Emaille-Mo- saik mit badenden Grazien schimmert, das von dem italienischen Glasmosaikkünstler Antonio Salviati aus dem venezianischen Murano stammt. Nach mehrfachem Besitzerwechsel beherbergt die Villa nun eine Edel-Boutique, das >Maison Vogue<, in der teure Couture im Angebot ist.

Schräg gegenüber direkt am Strand ist der Standort zweier Heringsdorfer Traditionen: das Theaterzelt Chapeau Rouge LS, das im Sommer ein buntes Unterhaltungsprogramm bietet, und die Sternwarte Manfred von Arden- ne [6] mit einem Spiegelteleskop, das bis zu 720-mal vergrößert. Himmelsbeobachtung gibt es nach Sonnenuntergang, jedoch sollte man sich vorher erkundigen (Tel. 0171 275 69 48).

In der Delbrückstraße, die durch Park- und Waldgelände fast parallel zur Promenade verläuft, zeugen die Villen von dem Reichtum ihrer einstigen Bau-herren. Die prachtvolle Villa Staudt [7] in Nr. 6 aus dem Jahr 1873, eines der ältesten erhaltenen Häuser Herings- dorfs, war der Sommersitz einer Familie aus dem Geldadel. Sie wurde für den Konsul Staudt gebaut, und Kaiser Wilhelm II. war dort ein häufiger Gast, wenn er auf Usedom weilte. Heute ist es ein feines Apartment-Hotel.

Auch in der Villa Oppenheim (j] in Nr. 10 sind mittlerweile teure Ferienwohnungen zu mieten. Sie wurde um 1880 im palladianischen Stil erbaut und hebt sich durch die imposante Freitreppe von den Nachbarvillen ab. Von 1909 bis 1912 verbrachte dort der Maler Lyonei Feininger samt Familie seine Ferien und verfeinerte hier seinen charakteristisch kubistischen Stil. Die neoklassizistische Villa Diana [9] in der Nr. 14 erhielt ihren Namen von einer Statue der römischen Jagdgöttin inmitten eines weitläufigen Gartens. Der jüdische Bankier Gerson von Bleichröder ließ das Haus 1890 als Sommersitz errichten. 1933 wurde die Familie enteignet und Hermann Göring beanspruchte es als Gästehaus. Nach der Gründung der DDR wurde es zum FDGB-Ferienheim. Heute ist es unter dem Namen »Residenz Bleichröden mitsamt einigen Neubauten eine der schönsten Hotel- und Apartment-Anlagen im Ort.

Auch an der Strandpromenade ab Seebrücke Richtung Bansin bzw. in der Kulmstraße finden sich etliche architektonische Kleinodien. Direkt an der Strandpromenade lohnt ein Besuch im Kunstpavillon einem Rundbau mit großen Glasfenstern, in dem die Werke vor allem ansässiger, aber auch anderer Künstler gezeigt werden (Mai- Sept. Di-So 12-18, April 10-16 Uhr).

Die Kulmstraße verläuft ebenso wie die Delbrückstraße parallel zur Strandpromenade und ist von wunderschönen Villen in gepflegten Parks gesäumt. Auch hier sind zahlreiche der Häuser in Ferienwohnungen oder Pensionen umgewandelt worden, wie die Villa Fontane in Nr. 25. Dort verbrachte 1863 Theodor Fontane eine Woche, während der er angeblich am liebsten im Gartenpavillon saß.

Von der Kulmstraße geht es ab in die Rudolf-Breitscheid-Straße und zum Weißen Schloss, dem Haus des Heringsdorf-Gründers Bülow. Das klassizistische Gebäude, nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel 1925 erbaut, hat eine wechselhafte Geschichte. 1866 verbrachte die preußische Kronprinzessin Victoria mit ihren Kindern die Ferien in dem Haus. Kurt Tucholsky quartierte sich dort 1920 und 1921 ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zunächst als Kinderferienheim genutzt, bis sich anschließend die Kreisparteischule der SED in dem historischen Haus niederließ. Heute ist es ein einfaches Hotel.

Folgt man der Straße, kommt man nach ein paar Metern zur Heringsdor- fer Kirche], die 1848 nach Entwürfen des preußischen Baumeisters Ludwig Persius im neogotischen Stil errichtet wurde.

Noch weiter Richtung Bansin und ebenfalls hinter der Strandpromenade geht die Villenpracht in der Maxim-Gor- ki-Straße weiter. Zwar sind diese Häuser nicht ganz so prächtig wie in der Kulm- und Delbrückstraße, aber immer noch sehr reizvoll. Den Namen verdankt die Straße einem kurzen Besuch des russischen Schriftstellers. In der Villa Irmgard gU in Nr. 13, die dem Berliner Anwalt Friedrich Becher gehörte, verbrachte Alexej Maximowitsch Peschkow, der sich den Künstlernamen Maxim Gorki zulegte – was so viel wie>der Bittere« heißt-, 1922 einen Erholungsurlaub aufgrund seines Lun-genleidens. In der Villa ist nun das Museum für Literatur- und Regionalgeschichte untergebracht. Die beiden Zimmer, die Gorki bewohnte, kann man besichtigen. Daneben gibt es in dem Flaus zahlreiche Kulturveranstaltungen, von Ausstellungen über Lesungen bis hin zu Konzerten (Mai-Sept. Di-So 12-18, Okt.-April 10-16 Uhr).

Sehen Sie mehr: Mosel Reisefuehrer, Ha Long Bucht, Mekong reisen, Vietnam Rundreise 17 Tage, Reise Vietnam Kambodscha Laos



EINE SENSIBLE LANDSCHAFT – DIE ODERMONDUNG

EINE SENSIBLE LANDSCHAFT – DIE ODERMONDUNG

April 4, 2019

Als -Landschaft pur- könnte man die Odermündung bezeichnen, ein Gebiet, das die beiden Inseln Usedom und Wolin, das Stettiner Haff und das angrenzende Festland umfasst. Es sieht dort nicht nur so seelentröstend schön aus mit den Stränden, dem ewig rauschenden…  Đọc tiếp

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN) 2

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN) 2

April 4, 2019

Schloss der Pommerschen Herzoge Im Mittelpunkt des Stettiner Stadtbilds steht unübersehbar das alte Schloss der Pommerschen Herzoge (Zamek Ksigzgt Pomorskich), das 1945 nach Bombenangriffen völlig ausgebrannt war, aber bis 1980 rekonstruiert wurde. Die kostbare Innenausstattung war größtenteils vernichtet oder ver-schwunden…  Đọc tiếp

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN)

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN)

April 4, 2019

Ein Ausflug in die größte pommersche Metropole – einstiges Zentrum pommerscher Herrlichkeit und Macht – gehört zu den Höhepunkten eines Urlaubs auf Usedom. Die angebotenen Ausflüge dauern zwar nur einen Tag lang, ermöglichen aber zumindest ei-nen Eindruck dieser alten und…  Đọc tiếp

INSEL WOLIN (WOLLIN) 3

INSEL WOLIN (WOLLIN) 3

April 4, 2019

Stadt Wolin (Wollin) Reiseatlas: S. 225, F 2 Wolin hat zwar der ganzen Insel den Namen gegeben, oder vielleicht auch umgekehrt, aber der Ort gehört zweifellos zu den ältesten Ansiedlungen auf dieser Insel, auch wenn dessen Ursprünge kaum bekannt sind.…  Đọc tiếp

INSEL WOLIN (WOLLIN) 2

INSEL WOLIN (WOLLIN) 2

April 4, 2019

Miedzyzdroje (Misdroy) Reiseatlas: S. 225, D 2 Der altehrwürdige Badeort Mi^dzyz- droje (Misdroy) kann sich nicht nur eines breiten Sandstrands mit einer 3 km langen Promenade sowie romantischer Klippen, die bis zu 95 m tief ins Meer abfallen, sondern auch…  Đọc tiếp