Der Südosten


DIE KAISERBÄDER

Die drei Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sind durch eine kilometerlange Strandpromenade miteinander verbunden und bilden nun auch unter Seebad Heringsdorf eine eigene Stadt. Mit der prachtvollen Bäderarchitektur, den eleganten Hotels und der Tradition als Sommerfrische sind sie das mondäne Zentrum Usedoms, auch wenn jeder der drei Orte seinen ganz eigenen Charakter hat.

Seebad Ahlbeck

Reiseatlas: S. 224, A 2 Ahlbeck ist das größte der drei >Kai- serbäder-, auch das populärste und lebhafteste. Und der Ort kann sich rühmen, die schönste und berühmteste Seebrücke Usedoms sein Eigen zu nennen. Jeder dürfte schon einmal ein Foto des zierlichen Seebrückenpavillons mit seinen Türmchen gesehen haben.

seebad-ahlbeck-usedom

Wie alle Seebäder direkt am Strand entstand auch Ahlbeck erst im 19. Jh. als Ferienort. Denn damals ließen sich die Fischer und Bauern vorzugsweise im Flinterland nieder, das vor Sturm, Landabbruch und gelegentlich auch vor unliebsamen Invasoren geschützter war. Der Boom der Seebäder begann mit dem Königlichen Oberforstmeister Georg von Bülow, der 1817 das alte Rittergut Gothen in der Nähe des heutigen Fleringsdorf erwarb und sich dort niederließ. Ihm folgten andere Adlige und auch Mitglieder der preußischen Königsfamilie, die gerne in den neuen Villen ein paar Tage zur Sommerfrische verbrachten.

Ahlbeck hatte bereits eine Geschichte, bevor der Forstmeister auf den Plan trat. Um 1700 wurde an der Beek, einem Flüsschen, das einstmals vom Gothensee in die Ostsee floss und heute Ahlbeck unterirdisch durchfließt, eine Wassermühle erbaut. Ein paar Büdner siedelten sich dort an und gründeten somit eine Art Dorf, das Ahlbeck getauft wurde, weil es, wie es heißt, in der Beek viele Aale gab. Die kleine Siedlung gehörte zum Mellenthiner Gutsbesitz und wurde daher Adlig-Ahl- beck genannt. Auf dem nördlichen Flussufer, das ab 1720 preußischer Staatsbesitz war, entstand ebenfalls eine kleine Siedlung, als Friedrich II. dort einige Kolonisten ansiedelte, die dort die Wasserläufe regulieren und Land kultivieren sollten. Dieses Dorf wurde Königlich-Ahlbeck genannt. Der Forstmeister von Bülow kaufte nach Auflö-sung der Mellenthiner Güter Land in Adlig-Ahlbeck, parzellierte es und verpachtete es an Fischerfamilien.

Die Bäderära

Mitte des 19. Jh. beschlossen nun auch die Ahlbecker, am florierenden Tourismus zu partizipieren, nachdem der Stolper Gutspächter Holtz seine Kinder zum Baden an die Ostsee schickte, wobei diese noch in einem Badezeit ins Wasser tauchten. Immer mehr Sommerfrischler kamen nach Ahlbeck, doch mit dem bereits adlig-eleganten Seebad Fleringsdorf konnte man zunächst kaum konkurrieren. Immerhin entstand 1874 die erste Unterkunft, Wendickes Hotel heute Hotel Meereswelle) in der Seestraße, von dem nur noch einige Teile erhalten sind. Ahlbeck war damals ruhig und beschaulich, vor allem jedoch so erschwinglich, dass auch Theodor Fontane zumindest zeitweise erwogen hat, dort ein Ferienhäuschen zu erwerben.

Doch erst als sich die beiden Teile Ahlbecks 1882 zusammenschlossen, blühte dank gemeinsamer Anstrengung das Geschäft mit den Sommer-frischlern auf. In der Dünenstraße pa- rarallel zur Promenade entstanden die ersten Pensionen und Hotels, darunter auch der prachtvolle Ahlbecker Hof, der heute nach vollständiger Restaurierung mit seiner weißen und goldgelben Fassade, den Glasveranden und Kristallleuchtern von nobler Eleganz ist. Jüngst zum Fünf-Sterne-Hotel aufgestiegen, scheint diese Nobelherberge dem Ruf Ahlbecks zu widersprechen, ein >Volksbad< zu sein, ein Attribut, das sich die Ahlbecker bereits während des 19. Jh. zulegten, da sie überwiegend die breite Mittelschicht anzogen, im Gegensatz zum benachbarten Heringsdorf, wo die Noblesse abstieg. Auch heute noch strömen überwiegend Familien mit Kindern in das größte Seebad Usedoms.

Die Seebrücke

Wahrzeichen und gesellschaftlicher Mittelpunkt Ahlbecks ist die einzige noch im Original erhaltene Seebrücke |T] der Ostseeküste. 1898 wurde sie fertig gestellt, mit einem 170 m langen Steg und einem bescheideneren Pavillon als der im damaligen Heringsdorf, aber in seiner niedlichen Schlichtheit weitaus hübscher. Nur der alte Seesteg hinter dem Pavillon brach im Winter 1941/42 durch Eisgang und Sturmflut zusammen und wurde anschließend nur teilweise wieder aufgebaut. Erst 1993 wurde ein neuer Seesteg von 280 m mit Anlegeplatz für die Ausflugsdampfer eingerichtet.

Auch der hölzerne Seebrückenpavillon erhielt eine Runderneuerung. Anlässlich von Dreharbeiten zu einem Film erhielt er zunächst ein leuchtend rotes Dach und ebenso leuchtend grüne Türmchen. Viktor von Bülow alias Loriot, ein Nachfahre jenes Oberforstmeisters, der den Grundstein für das Usedomer Bäderwesen gelegt hatte, ließ den Pavillon für seinen Film >Papa ante Portas« mit diesem leuchtenden Anstrich versehen. Nach zahlreichen denkmalschützerischen Auseinander-Setzungen hat der Pavillon nun wieder sein originales farbliches Erscheinungsbild, nämlich ein rotbraunes Dach und mattgrüne Türmchen.

Auch das Innere wurde nach etlichen Fehlschlägen mit diversen Investoren gemütlich hergerichtet. Statt der großen Halle, die eher wie eine Mensa wirkte, ist der Gastraum des Restaurants Seebrücke in verschiedene, mit-einander verbundene Bereiche unterteilt, mit der >Kogge<, einem Lokal in Form eines Schiffsrumpfes, als Herzstück.

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