DIE POMMERN


Stets galten die Pommern als rückständig und schwerfällig, ein Menschenschlag, der mehr mit den Widrigkeiten des Daseins zu kämpfen hatte, statt nach geisti­gen Höhenflügen zu streben. Goethe bezeichnete die Pommern als »doch recht freimütige oder gar wohl grobe Männer«. Der Feingeist, der sich dank üppigen Wohlstands edle Gedanken zu leisten vermochte, konnte natürlich nicht den spe­zifischen Humor der Pommern nachvollziehen, hatte er doch keinen Schimmer vom elementaren Überlebenskampf, den die traditionell arme Region ihren Be­wohnern abverlangte. Oder wie es Hans Werner Richter, selbst ein Pommer aus Bansin, ausdrückte: »Als im Süden Europas Kultur und Zivilisation bereits zum großen Sprung nach vorn einsetzten, wateten die damaligen Pommern noch durch Eisbäche, latschten über zurückgebliebene Moränen und lebten unter Umstän­den, die keine höhere Philosophie zuließen.«

Gleichwohl war es ein Pommer, Carl Loewe aus Stettin, der Goethes Gedicht vom Erlkönig vertonte. Wer sonst konnte dieses stimmungsvollste Gedicht des deutschen Dichterfürsten mit der märchenhaften Landschaft der Odermündung besser in Einklang bringen als ein pommerscher Musikus, der die Erscheinungen in den geheimnisumwitterten Feuchtgebieten seiner Heimat tief in seiner Seele verankert hat?

Den Pommern wird Dickköpfigkeit und Unnachgiebigkeit nachgesagt. Gewiss trifft es auf einige Landeskinder zu. So gibt es auch durchaus unnachgiebige oder eigensinnige Machtmenschen und Pioniere aus Pommern, von Katharina der Großen, die in Stettin geboren wurde, bis zu Otto Lilienthal aus Anklam oder auch dem Schauspieler Heinrich George, der ebenfalls aus Stettin stammt. Der pom- mersche Genius kann vielleicht in der herben Umgebung nur zu Höherem streben oder im Überlebenskampf seine Kräfte verschleißen.

Aber diese herausragenden Gestalten waren Ausnahmen. Der Pommer als sol­cher, so frei nach Richter, geht aufs Meer und fängt Fische, oder er versucht, feuch­te Wiesen und Gästezimmer zum Broterwerb zu nutzen. Innovativ war er über das Überleben hinaus selten. Nur die Pommerin ist ein außerordentlich erfindungsrei­ches Wesen. Gewohnt darin, dass man Fremden stets Unterschlupf zu bieten ha­be – in der früheren Geschichte nie ganz freiwillig -, hat sie zumindest gelernt, dass man von den Gästen heutzutage eine ordentliche Abgabe verlangen kann, viel­leicht als Ausgleich für die jahrhundertelange Ausbeutung.

Eines der einheimischen Sprichwörter bringt das pommersche Lebensgefühl auf den Punkt, auch wenn es der Städter in der ernst gemeinten Tiefsinnigkeit kaum mehr nachvollziehen kann, zumindest nicht, wenn ihm der unermüdliche Kampf gegen Sturmfluten und allwinterlich salzzerfressene Villen fremd ist: »Jo, jo, dat Läben is schwör.« Darauf können auch die politische Analyse und zeitkriti­sche Soziologie eigentlich nichts Vernünftiges erwidern.

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