DIE RUHELOSEN SEELEN DES GOLM


„Die frierende Frau im Soldatenmantel“, Golm
„Die frierende Frau im Soldatenmantel“, Golm

ln grauer Vorzeit, so erzählt die Legende, lebte ein Fürst auf dem höchsten Hügel der Insel Usedom. Er war so stolz und eigensüchtig, dass er sein einziges Kind, eine Tochter, keinem anderen Mann gönnte. Jeder Anwärter wurde harsch abgewiesen. Als es seiner Tochter einmal gelang, das hermetisch abgeriegelte Schloss zu verlassen, verliebte sie sich in den ersten Mann, der ihr über den Weg lief, einen armen Fischer, der sie ungeachtet der Gefahren auch heiraten wollte. Der fürstliche Vater jedoch ließ den armen Mann ermorden. So viel Ungemach rief die himmlischen Kräfte hervor, und so erschien eines Tages ein schwarzer Ritter, um die Ehe mit der unglücklichen Fürstentochter zu erbitten. Wie stets versuchte der Vater, den Freier schroff abzulehnen. Doch dieser verfluchte den stolzen Herrscher mitsamt seinem ganzen Hofstaat: Der Fürst und mit ihm das ganze Schloss sollten auf ewig vom Golm verschlungen werden. Allein die Fürstentochter könne erlöst werden, aber nur, wenn es ein mitleidiges Herz voll reiner Liebe gäbe, das ihr trotz aller Hässlichkeiten, die die Zeit ihr antaten, und trotz der bösen Geschichte ihres Hauses Erlösung brächten. Sie wartet bis heute vergebens.

Die Usedomer Sage um verlorene Seelen ist sehr viel älter als die jüngste Vergangenheit, die dieser Legende eine unheimliche Realität gegeben hat und den Golm zum größten Kriegsopferfriedhof Deutschlands machte. Die verlorenen Seelen aus der jüngsten deutschen Vergangenheit gemahnen heute daran, dass selbst mitleidige Herzen keine Erlösung bringen können.

Am 12. März 1945, als der Krieg schon längst entschieden war, griffen 671 US- Bomber den für Deutschland wichtigen Marinehafen Swinemünde an. Doch das Militär war schon weiter nach Westen gezogen. In der Stadt gab es kaum noch Soldaten, außer Verwundeten im Lazarett, dafür umso mehr Flüchtlinge aus dem damaligen Ostdeutschland, die in der kleinen Hafenstadt auf der Flucht vor der Sowjetarmee auf eine rettende Schiffspassage hofften. Als die Bomben fielen, befand sich in der Stadt ein Vielfaches der eigentlichen Einwohner. Weit über 23000 Menschen starben im Bombenhagel, die genaue Anzahl konnte bis heute nicht ermittelt werden. Sie alle wurden in Massengräbern auf dem Golm verscharrt. Es war kaum die Zeit, ihre Identität herauszufinden und ihnen individuelle Gräber zu geben.

Erst Mitte der 1970er Jahre wurde eine Gedenkstätte für diese Opfer errichtet, in Form eines zweigeteilten Rundbaus, der an ein prähistorisches Ringgrab erinnert. 1995 wurde eine Bronzetafel unterhalb des Rondells angebracht. Darauf sind die – häufig unvollständigen – Namen von etwa 1800 Opfern eingraviert, die einzigen, die man bislang identifizieren konnte, polnische ebenso wie deutsche. Noch immer wird von einem Verein nach weiteren Namen geforscht.

Vor dem Mahnmal steht eine Statue des ehemaligen Bansiner Künstlers Rudolph Leptien, die eine Frau darstellt, die sich fröstelnd umhüllt. >Frau im Soldatenmantel« lautet der prosaische Titel der Figur.

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