INSEL WOLIN (WOLLIN) 3


Stadt Wolin (Wollin)

Reiseatlas: S. 225, F 2
Wolin hat zwar der ganzen Insel den Namen gegeben, oder vielleicht auch umgekehrt, aber der Ort gehört zweifellos zu den ältesten Ansiedlungen auf dieser Insel, auch wenn dessen Ursprünge kaum bekannt sind.

Adam von Bremen, der mittelalterliche Chronist, beschrieb die Stadt Wolin im 11. Jh. als »wirklich eine der größten Städte, die es in Europa gibt«. Kaum vorzustellen heutzutage angesichts der stillen, knapp 5000 Einwohner zählenden Stadt, die sich nur mühsam von den Bomben des Zweiten Weltkriegs erholt, die 90 % Wolins in Schutt und Asche gelegt hatten.

Nikolaikirche
Nikolaikirche

Ursprünge

Wolin hat, so unscheinbar es auch heute erscheinen mag, eine lange und auch durchaus interessante Geschichte. Vom 10. bis zum 12. Jh. stand die Stadt, die sich an einer schmalen, seichten Stelle der Dziwna (Dievenow), dem Durchbruch vom Haff zur Ostsee an der östlichen Seite der Insel, entwickelt hatte, in ihrer Blüte. »Byzanz des Nordens» wurde Wolin in alten Chroniken damals genannt, vermutlich das Urbild, oder eines von vielen, jenes reichen Vineta, über das bis heute zahlreiche Legenden um Reichtum und Untergang kursieren (s. S. 118f.). Ausgrabungen im 19. und vor allem im 20. Jh. haben tatsächlich erwiesen, dass Wolin vor über 1000 Jahren eine der prachtvollsten und reichsten Städte Europas gewesen sein muss, das alte Julin, aus dem schließlich Woiin und in der Legende vielleicht auch Vineta wurde.

Der Aufstieg Wolins aus den buchstäblichen Niederungen der Dievenow- Sümpfe begann vermutlich im 7. und 8. Jh., als die handwerkliche Produkti-on des ursprünglichen Fischer- und Bauerndorfes über den Eigenbedarf hinausging und ein reger Handel einsetzte, der schließlich bis in den Orient, zumindest bis nach Bagdad reichte, wie zahlreiche Ausgrabungsfunde belegen. Dazu gehört auch ein über 11 kg schwerer Silberschatz aus dem 11. Jh., zu dem Münzen arabischen, bulgarischen und westeuropäischen Ursprungs gehören.

Geschick bewiesen die Woliner nicht nur bei allen möglichen Handwerken, sondern vor allem in der Bearbeitung des in der damaligen Welt kostbaren Bernsteins. Hilfreich für den Handel waren zudem die Lage an einer der wichtigsten Kreuzungen von Handelsstraßen der Alten Welt sowie der Zugang zur Ostsee und über die Oder zum Hinterland. Im 10. bis 12. Jh. lebten rund 10000 Menschen, doppelt so viele wie heute, in der slawisch dominierten Stadt mit ihren zahlreichen Vorstädten, die meist nach Gewerbe getrennt aufgeteilt waren.

In der Zeit nach der Jahrtausendwende war Wolin zudem ein Zentrum der Christianisierungskampagne des Ostens und Bischofssitz, der allerdings wegen der permanenten Überfälle durch dänische Wikinger nach Kamien verlegt wurde.

Vineta-Archäologie

Die Archäologen, die seit Jahrzehnten den Boden Wolins umgraben, haben bislang 20 Siedlungsschichten im Stadtzentrum freigelegt, ein erstaunlicher Hinweis auf das Alter und die unterschiedlichen Kulturen des Ortes. Einer der ersten, der sich für die Ausgrabungen einsetzte, war der Begründer der pathologischen Anatomie, Rudolf Virchow, der 1871 selbst einige Ausgrabungen vornehmen ließ und die Vineta-These für Wolin in die Welt setzte.

Die Feldforschungen der Neuzeit, im Wesentlichen nach dem Zweiten Weltkrieg durchgeführt, brachten in der Tat Erstaunliches zutage. Die sla-wischen Siedlungsreste wurden hauptsächlich südlich der heutigen Stadt entdeckt. Die Flafenanlagen des alten Wolin/Julin samt Werft waren unge-wöhnlich groß: Ein Kai mit später hinzugefügten Landungsstegen war rund 300 m lang.

Die »vornehmen« Toten wurden auf dem Galgenberg, ebenfalls südlich des heutigen Wolin, bestattet. Bislang wurden über 30 reich bestückte Flügelgräber entdeckt. Nördlich der Stadt fanden die »gewöhnlichen« Toten ihre letzte Ruhestätte – auf dem Gräberfeld des Mühlenberg (Mlynöwska) werden bis zu 8000 Gräber vermutet, rund 1300 sind bislang erforscht. Dieser Flügel liegt in unmittelbarer Nähe des Silberbergs (Srbrne Wzgörze), Standort der bedeutendsten Handwerkersied- lung des alten Wolin, einschließlich einer eigenen Anlegestelle an der Dieve- now.

Viele der Exponate aus diesen Ausgrabungen und Rekonstruktionen aus dem alten Woiin (Julin) sind im Museum der Stadt Wolin, ul. Zamkowa 24, zu besichtigen (Di-Fr 9-16, Sa 9-14 Uhr).

Historische Bauten

Von den historischen Bauten sind nach dem Krieg nicht viele übrig geblieben. Erwähnenswert ist das neogotische Rathaus aus dem Jahr 1881, in dem heute das Stadtamt untergebracht ist. Bedeutendstes Bauwerk und Symbol einer langen Geschichte ist jedoch die Nikolaikirche. Im 14. Jh. errichtet, wurde sie 1945 fast vollständig zerstört. Über 50 Jahre lang war der Trümmerhaufen ein Mahnmal des Krieges. Im Jahr 2000 wurde der Wiederaufbau der Kirche schließlich erfolgreich beendet, und sie bestimmt wie einst das Zentrum des Ortes.\

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