KUNST UND KULTUR 2


Malerei

Licht und Landschaft der Ostseeinsel haben Künstler zumindest seit der Romantik fasziniert, als Genrebilder und herrschaftliche Porträts von emotional durchdrungenen Bildern voller Fernweh, Dramatik und Schwermut abgelöst wurden. Das pommersche Kernland um Usedom spielte dabei eine herausragende Rolle, stammen doch die bedeutendsten Vertreter der deutschen Romantik aus dieser Gegend. Caspar David Friedrich, 1774 in Greifswald geboren, zeigte sich zwar weniger von Usedom, dafür aber sehr von der nahe seiner Heimatstadt gelegenen Klosterruine Eldena und natürlich von Rügen angezogen, doch blieb auch er von der Melancholie der Landschaft nicht unberührt.

Die Bilder Caspar David Friedrichs wurden sehr viel berühmter als die seines jüngeren Kollegen Philipp Otto Runge (1777-1810), der aus Wolgast stammte und wegen seines viel zu kurzen Lebens nur ein kleines Werk hinterließ (s. S. 146). Anders als Friedrich, der sein Lieblingsmotiv Eldena auch schon mal ins Riesengebirge versetzte, hat sich Runge nie ganz der Romantisie- rung der Landschaft hingegeben. Seine Bilder beinhalten stets einen kräftigen Schuss Realismus, wie er vor allem an den eindringlichen Porträts zu spüren ist – eine Eigenschaft, die fast alle nachfolgenden Künstler, die auf Usedom tätig waren, auszeichnet.

Ins Blickfeld der urbanen Kunstschaffenden geriet Usedom jedoch erst zur Hochzeit der Seebäder um 1900, als es durch die Pleinair-Bewegung Mode wurde, die Natur nicht mehr im Atelier abzubilden, sondern vor Ort. Akademiekünstler aus Berlin und Stettin, die sich bislang vorzugsweise auf Rügen aufhielten, entdeckten nun auch die Ursprünglichkeit Usedoms. Zu den berühmtesten Gästen gehörte der Maler Lyonei Feinin- ger (1871-1956), der sich in den Sommermonaten zwischen 1908 und 1912 vor allem im südöstlichen Hinterland der Insel auf Motivsuche begab, wo er die alten Bauerndörfer skizzierte und dann später in seinem eigentümlichen, kristallinen Stil auf die Leinwand brachte.

usedom-blaues-haus

Usedom – Blaues Haus

Nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich die ersten Künstler, bedingt durch die politischen Unruhen und wirtschaftlichen Nöte in den Städten, ständig auf der Insel nieder. Einer der ersten war Hugo Scheele (1881-1960), der 1921 nach Zempin zog und mit seinen Landschaftsbildern, Stillleben und Menschendarstellungen auf allen bedeutenden Ausstellungen vertreten war. Fischer und Landschaften bildete auch der erste tatsächliche einheimische Künstler ab. Der Ahlbecker Autodidakt Erich Jaeckel (1901-1947) begann als Postkartenmaler und wurde bald zum gefragten Künstler mit weit reichender Anerkennung.

Die Kerngruppe für den Ruf Usedoms als Künstlerkolonie bildeten jedoch drei befreundete Maler, die es Anfang der 1930er Jahre zunächst nur im Sommer nach Usedom zog, die es aber angesichts des bevorstehenden Krieges später vorzogen, ganz auf Usedom zu leben. Der erste war Otto Niemeyer-Holstein (1896-1984), gewissermaßen der Doyen der Künstlerkolonie (s. S. 40f.). Otto Manigk (1902- 1972) wohnte zunächst im Ferienhaus seines Vaters in Ückeritz und wurde dort von seinem Malerfreund und Schwager Herbert Wegehaupt (1905- 1959) besucht. Beide bauten sich bis Kriegsbeginn eigene Häuser in Ückeritz, gefolgt von der Berliner Malerin Karen Schacht (1900-1988), die die kleine Künstlerkolonie neben anderen Kunstschaffenden ergänzte.

In den 1950er und 1960er Jahren zog es weitere Künstler nach Usedom, nicht nur angelockt von der kleinen, mittlerweile etablierten Kolonie, sondern auch von der Rückzugsmöglichkeit, die freieres Schaffen versprach. Zu ihnen gehörten Manfred Kandt (1922-1992) und seine Frau und Kollegin Susanne Kandt-Horn (1914— 1996). Beide unterschieden sich von den anderen Künstlern dadurch, dass sie weniger den sensiblen Feinheiten der Usedomer Atmosphäre verpflichtet waren, sondern zum Monumentalen neigten. Manfred Kandt gehörte zu den typischen Vertretern der kubistisch ori-entierten Wandmalerei der DDR. Auch seine Frau tendierte eher zum Großflächigen und Wuchtigen.
Ein wenig schien das Werk der alteingesessenen Usedomer Künstlergruppe inzestuös. Sie fanden in schwierigen Zeiten, vom Umbruch nach dem Ersten Weltkrieg über die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Direktiven der DDR, Nestwärme in ihrer Enklave und inspirierten sich in diesem Künstlerbiotop gegenseitig, was sich als fruchtbar, aber im internationalen Vergleich auch als hemmend erwies. Das ist u. a. in den Werken von Rolf Werner (1916-1989), der sich in Bansin niederließ, und in denen von Fritz Cremer (1906-1993) zu spüren, der in Loddin ein Sommerhaus besaß. Beider Werke gleichen trotz individueller Ausprägung doch der Tendenz der Usedo- mer Künstlerkolonie.

Einen Bruch mit der Tradition der >Väter< bescherten die 1960er Jahre, als die Künstlersöhne Oskar Manigk und Matthias Wegehaupt sich nach einigen Lehrjahren die moderne Bildsprache aneigneten, die mit den Motiven Usedoms zumindest oberflächlich nichts mehr gemein hatte und eher von den »Neuen Wildem beeinflusst schien. Der Anschluss an die Entwicklung der internationalen Kunst schien gelungen, auch wenn die Kunstvermarktungsindustrie noch nicht bis Usedom vorgedrungen ist.

Der Ruf als Künstlerinsel lockte bis heute nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer und Keramiker nach Usedom, deren Werke nur ansatzweise Ab-bildungen der Realität sind, vielmehr neue Kompositionen in Form und Farbe suchen. Der Usedomer Kunstverein, der den Kunstpavillon in Heringsdorf als Galerie nutzt, zeigt eine breite Palette der Werke junger Künstler, die weit davon entfernt sind, sich nur auf die Darstellung von Strand und Fischern zu beschränken. Licht und Motive der Insel lassen einen solch breiten kreativen Spielraum, dass Usedom Künstlern noch immer genügend Inspiration bietet.

Kunsthandwerk

Bernstein und nochmals Bernstein wird in allen Souvenirläden auf Usedom angeboten. Es ist das Gold des Meeres, genauer der Ostsee. Es gibt die schlichten und preiswerten Variationen bis hin zu edlen Designerstücken, die man meist in den etwas feineren Juwelierläden findet – und die entsprechend kostspielig sind. Und da das goldgelbe Harzgestein nicht nur als Schmuck verarbeitet, sondern auch in verschiedenen dekorativen Formen kreiert wird, spricht es nicht nur Frauen an, sondern auch Männer. Pfeifenraucher werden das Bernstein-mundstück an einer Pfeife schätzen, da es nicht nur kühl und sanft zwischen den Lippen hängt, sondern auch angeblich desinfizierende Eigenschaften besitzt.

Wie es sich für eine Insel im Meer gehört, spiegelt jegliches Kunsthandwerk den maritimen Charakter wider. Es gibt die niedlichen Buddelschiffe – auch wenn die eher im Nordseeraum beheimatet sind -, und es gibt zahlreiche individuell gefertigte Keramiken. Die schönsten stammen aus der Werkstatt Dannegger in Morgenitz, aber auch andere kleinere Töpfereien bieten hübsche Stücke an.

Einzigartig sind die Freester Fischerteppiche mit ihren maritimen Motiven (s. S. 149ff.), die aufgrund der aufwendigen Handarbeit allerdings entsprechend teuer und nicht überall erhältlich sind.

Fast überall zu haben, aber gleichsam kostspielig sind die Bilder und Gemälde einheimischer wie zugereister Künstler, die die wunderbare Land-schaft Usedoms auf ihre jeweils eigene Art festgehalten haben. Einige Werke kann man im Heringsdorfer Kunstpavillon bewundern.

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