NÖRDLICHES HINTERLAND


Sanft gewellt und dünn besiedelt zeigt sich jener Zipfel der Insel, den man oft links und rechts liegen lässt, wenn es rasch von Wolgast aus Richtung Ostseestrand gehen soll. Doch auch dort sind versteckte Reize zu entdecken. Auf der Halbinsel Gnitz und im Wolgaster Ort präsentiert sich das ländliche Usedom von seiner schönsten Seite und hat darüber hinaus einiges an touristischen Attraktionen zu bieten.

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Halbinsel Gnitz

Halbinsel Gnitz

Reiseatlas: S. 218, C 4 Die Halbinsel Gnitz zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten Usedoms und war bis ins Spätmittelalter auch eine eigene Insel zwischen Peenestrom und Achterwasser, die durch einen breiten Wasserlauf von Usedom getrennt war. Der flussähnliche Große Strumminsee ist noch ein kärglicher Rest dieser verlandeten Grenze. Auch die Halbinsel Görmitz, die wie ein Appendix an Gnitz hängt, ist als Insel nur noch Geschichte, seit sie durch einen Damm mit der Haupthalbinsel verbunden wurde. Die Insel, zum Teil ein Vogelschutzgebiet, wurde mittlerweile an einen Investor verkauft, der dort eine naturverträgliche Ferienanlage errichten will.

Sanfte Wiesen, schilfumsäumte Ufer und eine dicht bewaldete Steilküste kennzeichnen den Gnitz. Ein ausgeschilderter Wanderweg führt rund um die Halbinsel, jedoch nicht immer am Wasser entlang. Interessanter sind daher Erkundungen auf eigene Faust
zur Steilküste, die allerdings nur bis zu 36 m hoch ist, aber dennoch schöne Aussichten bietet, oder zum Naturschutzgebiet Möwenort, das eines der romantischsten Ecken Usedoms ist.

Gnitzer Dörfer

Auf Gnitz und auch auf Görmitz herrschten bis 1945 die pommerschen Landjunker von Lepel, die bereits im 14. Jh. ins Land kamen. Deren Gutshaus, nach 1945 als Sitz einer LPG (Landwirtschaftliche Genossenschaft) genutzt, lag in Neuendorf, einem unscheinbaren Ort, der zu DDR-Zeiten als »Erdölmetropole Vorpommerns« bezeichnet wurde. Dort nämlich wurde in den 1960er Jahren Erdöl entdeckt – ein Segen für die rohstoffarme DDR (s. S. 136).

Die ritterliche Grabiege derer von Lepel befindet sich in der Marienkirche von Netzelkow, eine kleine turmlose Backsteinkirche aus dem 15. Jh. Nicht nur der Sarkophag des 1747 verstorbenen Carl von Lepel ist eine Besonderheit, sondern auch der Taufstein, der als einziger aus dem 14. Jh. auf Usedom erhalten ist. Im Pfarrhaus nebenan, bzw. in dessen Vorgängerbau, wurde 1797 Wilhelm Meinhold geboren, der später Pfarrer in Koserow wurde und Berühmtheit als Autor des Romans über die >Bernsteinhexe< erlangte. Das heutige Pfarrhaus stammt aus dem Jahr 1911.

Südlichster und geografisch abgeschiedenster Ort auf Gnitz ist das Dorf Lütow. Doch statt auf dörfliche, rückständige Idylle trifft man dort auf ein hervorragend entwickeltes Feriendorf mit allen Annehmlichkeiten, die der Tourismus zu bieten hat: Am Dorfrand erstreckt sich eine weitläufige Ferien-siedlung mit Hallenbad, Tennisplatz und >Beauty-Paradies<.

Doch auch dort, wo der Tourismus Fuß gefasst hat, findet man noch Zeugen einer sehr, sehr fernen Vergangenheit. Am Ortsausgang Richtung Lütow nämlich versteckt sich – durch ein kleines Hinweisschild kenntlich gemacht – ein Megalithgrab in einem Eichenhain. 1826 wurde das Grab erstmals untersucht, dann geriet es in Vergessenheit. Die wuchtigen Deckplatten des Dolmen verwendete man 1911 zum Bau des neuen Pfarrhauses. Systematisch erkundet wurde das Megalithgrab erst 1936, als eine Truppe des Reichsarbeitsdienstes Steine für den Straßenbau ausfindig machen sollte und dabei auf das Monument stieß, was nun die Archäologen auf den Plan rief, um -germanische Urbesiedlung< zu beweisen. Die Wissenschaftler entdeckten Bernsteinschmuck, Keramikgefäße, Waffen und bäuerliches Handwerkszeug. Die Ausgrabungsstücke sind im Museum in Stettin ausgestellt.

Wolgaster Ort

Reiseatlas: S. 218, B/C 3 und B 4 Auch in diesem abgelegenen Teil, den man als Erstes von Wolgast kommend betritt, herrscht jene ländliche Idylle, die das Hinterland von Usedom so einladend macht. Der Wolgaster Ort mit Dörfern, die Mölschow, Bannemin oder Krummin heißen, ist sanft gewellt und überwiegend baumlos, ideal für gemächliche Fahrradtouren oder auch Reitausflüge. In diesem Landstrich werden auch noch viele traditionelle Handwerke gepflegt, sei es zur touristischen Erbauung, sei es, dass Althergebrachtes wieder gefragt ist. So findet man mittlerweile wieder überall Reetdächer, entsprechend gefragt sind Spezialisten, wie man es z. B. in Neeberg sieht, wo der Reetdachdecker sein eigenes Haus als beste Werbung für seine Kunst nutzt. In Bannemin und Mölschow haben sich auch Künstler niedergelassen, die Kunst und Kunsthandwerk zum Kauf anbieten. Eine Attraktion für Aktivurlauber, aber auch für Kinder ist der Kultur-Hof in Mölschow, wo man Ferienkurse in vielerlei kunsthandwerklichen Bereichen buchen kann (siehe Aktivitäten).

Zentrum des Wolgaster Ortes und einziger Ort mit historischer Bedeutung ist Krummin, das zudem einen hübschen Naturhafen bietet, in dem man Segelboote mieten kann. Allein die Zufahrtsstraße in das verschlafene Dorf ist ein Erlebnis wert: Sie ist nämlich gesäumt von uralten Linden und steht als schönste Lindenallee Usedoms unter Denkmalschutz.

Als Crominino wurde das Dorf erstmals 1230 erwähnt, wobei zu dieser Zeit bereits eine Kirche existierte. 1302 machte Herzog Bogislaw IV. diesen Landstrich samt Halbinsel Gnitz »seiner Tochter Jutta und den anderen Nonnen im Kloster Wollin« zum Geschenk – unter der Bedingung, dass die Zisterzienserinnen in Krummin ein neues Kloster gründeten. Zwei Jahre später war das Kloster fertig gestellt, auch die alte Kirche war vollständig umgebaut worden. Während der Reformation fielen die Güter an die Stadt Wolgast. Im Dreißigjährigen Krieg schließlich zerstörten kaiserliche Soldaten die Gebäude. Erhalten blieb nur die Kirche, die im Lauf der folgenden Jahrhunderte mehrmals umgebaut wurde. Die jüngsten Arbeiten an dem Bauwerk finden seit 1993 statt. Im 19. Jh. wirkte in der Kirche von Krummin auch der Pfarrer Wilhelm Meinhold, der im Pfarrhaus gegenüber die ‘Bernsteinhexe« verfasste.

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