SÜDLICHES ACHTERLAND 2


Usedomer Schweiz

Reiseatlas: S. 221.E/F2/3 Sallenthin, Sellin und Benz (s. u.) heißen die Dörfer, die im Seenhinterland von Bansin liegen, eingerahmt von Gothensee und Schmollensee, zwischen denen noch der Große und der Kleine Krebssee liegen. »Usedomer Schweiz« wird die leicht hügelige Landschaft auch genannt, und tatsächlich bietet sie reichlich Abwechslung und herrliche Wanderungen. Künstler fanden sich dort ein, um die Reize auf Leinwand zu bannen, wie Lyonei Fei- ninger oder Otto Niemeyer-Holstein.

Eines der hübschesten Dörfer am Rande des Schmollensees ist Benz. Es weist sogar »buchstäblich« so malerische Ansichten auf, dass man es in den Werken von Feininger sicherlich wiedererkennt. Die Holländermühle von Benz aus dem Jahr 1863 war bis 1971 in Betrieb, danach erwarb sie der Künstler Otto Niemeyer-Holstein, der sie wieder herrichten ließ und gelegentlich als Wohn-Atelier nutzte. Heute gilt sie als technisches Denkmal. Bei Gruppenführungen werden die Funktionen der Mühle beim Getreidemahlen erläutert (nur auf tel. Anmeldung: 03 83 78/ 3 65 23), und im Sommer gibt es hin und wieder kleine Kunstausstellungen. Die Petrikirche von Benz, ein reizvoller Bau aus der Spätrenaissance, wurde Anfang des 17. Jh. auf den Grundmauern einer älteren Feldsteinkirche errichtet. Wunderschön sind im Innenraum vor allem die Deckenmalereien in frischen Farben. Das Bauwerk wird noch als Gotteshaus genutzt, aber es finden gelegentlich dort auch Lesungen oder Konzerte statt. Auf dem kleinen Friedhof der Kirche befindet sich auch das Grab von Otto Niemeyer-Holstein, der 1984 gestorben ist.

Am Achterwasser

Ganz so still ist es in den Sommermonaten am Achterwasser nicht mehr. Denn dort tummeln sich nicht nur die Angler und Segler, die auf dem ruhigen Binnengewässer ihren Aktivitäten nachgehen können, sondern der Landstrich bietet auch so viele Sehenswürdigkeiten, dass die Sommergäste aus den Badeorten gerne dorthin strömen. Dennoch findet man auch außerordentlich idyllische Eckchen, wenn man von ausgetretenen Pfaden abweicht. Die beiden Achterwasserinseichen Werder und Böhmke dürfen allerdings nicht betreten werden – sie sind heute Vogelschutzgebiet.

sonnenuntergang-achterwasser-usedom

Sonnenuntergang am Achterwasser

Pudagla

Reiseatlas: S. 221, E 2 Einen kleinen Überblick über die Landschaft bzw. das Achterwasser ermöglicht der 39 m hohe Glaubensberg am Schmollensee bei Pudagla, der aber nichts mit der christlichen Vergangenheit zu tun hat, sondern auf das slawi¬sche Wort glawa, Haupt oder Kopf, zurückgeht.

Vom Glaubensberg ist auch das Dörfchen Pudagla zu sehen, dessen Name mit dem Glaubensberg zusammenhängt (pad glowe = am Berg) und dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Pudagla war bis zur Reformation ab dem frühen 14. Jh. Sitz eines Prämonstratenserklosters, ein Mönchsorden, dem riesige Landstriche auf Usedom, Wohin und bis nach Stettin gehörten. Durch die Reformation wurden die Mönche enteignet und vertrieben, und der Pommernherzog Ernst Ludwig übernahm das Kloster und ließ 1574 auf dessen Grundmauern ein Schloss bauen, das als Witwensitz für seine Mutter diente, aber bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgegeben wurde.

Von dem Renaissanceschmuck des Schlosses ist nicht mehr viel zu erkennen. Über dem Eingangsportal des recht schlichten Bauwerks ist lediglich die Gründungstafel aus dem 16. Jh. erhalten. Die ehemalige Klosterkapelle beherbergt heute ein einfaches Restaurant.

Liebevoll restauriert hingegen wurde die Bockwindmühle südlich des Dorfes. Sie gibt es schon mindestens seit 1702 und sie war bis 1937 in Betrieb.

Mellenthin

Reiseatlas: S. 221, E 3 Neppermin und Balm gehören zu jenen Dörfchen am Balmer See, einer Ausbuchtung des Achterwassers, denen man getrost das Adjektiv »verschlafen« zuordnen kann. Neppermin immerhin war ebenso wie Benz und Zirchow eines der Lieblingsmotive Lyonei Feinin- gers und erwacht einmal im Jahr, wenn zu Sommerbeginn der Pferdemarkt stattfindet, zu fröhlichem Leben. Balm hingegen hat sich mittlerweile einen Namen als Refugium für jene zumeist betuchten Golfspieler gemacht, die Exklusivität schätzen. In Balm nämlich gibt es den einzigen Golfplatz Use-doms, der inmitten unberührter Natur wunderschöne Aussichten und ein gepflegtes Spiel bietet.

Hauptattraktion ist jedoch das Schloss Mellenthin, ein Bauwerk, das anders als das in Pudagla den Namen auch tatsächlich verdient. Es ist von einem Wassergraben umgeben, backsteinerne, ehemalige Wirtschaftsgebäude mit Cafe-Restaurant und Ferienwohnungen säumen den Schlossweg.

Gebaut wurde das Renaissanceschloss im 16. Jh. vom Ritter Rüdiger von Neuenkirchen, dessen Familie bereits seit dem 13. Jh. auf Usedom lebte. Architekt war vermutlich der italienische Baumeister Antonio Wilhelmi, der auch am Stettiner Schlossbau beteiligt war. Die Besitzverhältnisse des Schlosses sind kompliziert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel es in unterschiedliche Hände und unterlag diversen Nutzungen. Bis 1993 diente das Gemäuer noch als Kindergarten, dann gab es einige halbherzige Versuche, es als Museum, Pension und Gaststätte zu nutzen. Nunmehr ist das Schloss in Privatbesitz, 2001 gekauft von einer Familie aus dem Westen Deutschlands, die große Pläne und eine gewaltige Umbauaufgabe hat. Die Restaurierungsarbeiten sind im Gange und werden wohl auch noch bis auf weiteres andauern. Angedacht ist ein Hotel in einem der Flügel, geplant eine Schaubrauerei im anderen. Im Mittelbau sind schon einige Räume fertig gestellt, zumindest im Erdgeschoss ein Restaurant und Cafe, das in historischem Ambiente gute Küche und freundlichen Service bietet (tgl. ab 10 Uhr). Im Obergeschoss gibt es Funktionsräume, in denen seit einigen Jahren kleinere Veranstaltungen stattfinden. Doch wann alle Pläne verwirklicht sein werden, steht in den Sternen. Auch, ob alle Vorstellungen ange-sichts der Probleme, die ein solches Projekt mit sich bringt, realisiert werden können. Als Museum besichtigt werden kann das Schloss, das auch als Privatunterkunft der Besitzer dient, vorerst noch nicht. Doch kann man im Restaurant bei einer Tasse Kaffee oder zu was auch immer die Speisekarte verlockt den Erfolg einer historischen Restaurierung im Untergeschoss bewundern.

Das Dorf Mellenthin hat nicht nur dieses zauberhafte Schloss zu bieten, sondern auch eine reizvolle Kirche, die malerisch unter dem Blätterdach alter Eichen ruht und als hübscheste Usedoms gilt. Sie existierte bereits, als die Neuenkirchens den Besitz Mellenthin erwarben, denn sie wurde schon in der Kaufurkunde von 1336 erwähnt. Rüdiger von Neuenkirchen und seine Frau sind in dieser Kirche begraben. Die Grabplatte befindet sich im Kirchenraum.

Sehen Sie mehr: Ostfriesische Inseln Urlaub | V Spirit cruise Halong bay | Mekong river cruises Siem Reap to Saigon | 14 Tage Rundreise Vietnam | Laos Kambodscha Vietnam Rundreise



EINE SENSIBLE LANDSCHAFT – DIE ODERMONDUNG

EINE SENSIBLE LANDSCHAFT – DIE ODERMONDUNG

April 4, 2019

Als -Landschaft pur- könnte man die Odermündung bezeichnen, ein Gebiet, das die beiden Inseln Usedom und Wolin, das Stettiner Haff und das angrenzende Festland umfasst. Es sieht dort nicht nur so seelentröstend schön aus mit den Stränden, dem ewig rauschenden…  Đọc tiếp

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN) 2

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN) 2

April 4, 2019

Schloss der Pommerschen Herzoge Im Mittelpunkt des Stettiner Stadtbilds steht unübersehbar das alte Schloss der Pommerschen Herzoge (Zamek Ksigzgt Pomorskich), das 1945 nach Bombenangriffen völlig ausgebrannt war, aber bis 1980 rekonstruiert wurde. Die kostbare Innenausstattung war größtenteils vernichtet oder ver-schwunden…  Đọc tiếp

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN)

METROPOLE SZCZECIN (STETTIN)

April 4, 2019

Ein Ausflug in die größte pommersche Metropole – einstiges Zentrum pommerscher Herrlichkeit und Macht – gehört zu den Höhepunkten eines Urlaubs auf Usedom. Die angebotenen Ausflüge dauern zwar nur einen Tag lang, ermöglichen aber zumindest ei-nen Eindruck dieser alten und…  Đọc tiếp

INSEL WOLIN (WOLLIN) 3

INSEL WOLIN (WOLLIN) 3

April 4, 2019

Stadt Wolin (Wollin) Reiseatlas: S. 225, F 2 Wolin hat zwar der ganzen Insel den Namen gegeben, oder vielleicht auch umgekehrt, aber der Ort gehört zweifellos zu den ältesten Ansiedlungen auf dieser Insel, auch wenn dessen Ursprünge kaum bekannt sind.…  Đọc tiếp

INSEL WOLIN (WOLLIN) 2

INSEL WOLIN (WOLLIN) 2

April 4, 2019

Miedzyzdroje (Misdroy) Reiseatlas: S. 225, D 2 Der altehrwürdige Badeort Mi^dzyz- droje (Misdroy) kann sich nicht nur eines breiten Sandstrands mit einer 3 km langen Promenade sowie romantischer Klippen, die bis zu 95 m tief ins Meer abfallen, sondern auch…  Đọc tiếp