SÜDLICHES ACHTERLAND


Altes Ackerland, stille Wälder, Sumpfgebiete und versteckte Seen kennzeichnen das Hinterland der Kaiserbäder zwischen Kamminke und Sallenthin, wo viel unberührte Natur zu ausgedehnten Spaziergängen oder Radausflügen einlädt. Dort findet man nicht nur erholsame Ruhe, sondern es sind auch etliche Sehenswürdigkeiten zu entdecken, die von der wechselvollen Geschichte der Insel erzählen.

Der Golm

Reiseatlas: S. 224, A 2/3 Die waldreiche und unter Naturschutz stehende Endmoränenlandschaft, die sich zwischen Kamminke und Ahlbeck erstreckt, ist eines der beliebtesten Ausflugsziele im Hinterland der Kaiserbäder. Inmitten des Waldes liegt nahe dem Dörfchen Korswandt der idylli-sche Wolgastsee. Er ist mit 16 m der tiefste See Usedoms, mit Badestrand, Anglern und Booten aber nicht gerade der einsamste. Viel stiller ist der winzige Krebssee, zu dem ein ausgeschilderter Fahrrad- und Wanderweg ab Korswandt führt.

kriegsgraeberstaette-golm

Kriegsgräberdenkmal Golm

Dieser Weg führt weiter über Garz bis zum Golm, einem Hügel, der mit 69 m die höchste Erhebung Usedoms ist. Am Osthang des Golm befand sich einst eine gewaltige slawische Burganlage aus der Bronzezeit, an die nur noch ein Graben erinnert. Die Aussicht von dort oben war in der Blütezeit des frühen Bädertourismus hoch gerühmt und der Golm ein beliebtes Ausflugsziel, wo es auch Kaffee und Kuchen gab. Auch heute noch hat man bei klarer Sicht einen herrlichen Blick nach Osten und über die Haffküste manch-mal sogar bis Ueckermünde.

Als Ziel fröhlicher Ausflüge wird der Golm jedoch kaum noch besucht. Er ist die Ruhestätte von über 23 000 Menschen, die bei einem Bombenangriff auf Swinemünde in den letzten Kriegstagen 1945 ums Leben kamen (s. S. 86). In einem kleinen Pavillon erinnert eine Ausstellung an dieses verheerende Ereignis (Mitte März-Mitte Nov. tgl. 9-8 Uhr).

Südlich des Golm erstreckt sich der reizvollste Abschnitt der Usedomer Haffküste. Bis fast an das Wasser haben sich die eiszeitlichen Moränen he-rangeschoben und fallen zu einer malerischen Steilküste ab, die von einem schattigen Kiefernwald gekrönt ist. Die Straße nach Kamminke, dem hübschen Fischerdorf am Haff mit einigen Reetdachhäusern, schlängelt sich schmal bis zum Hafen hinunter. Kamminke, eine slawische Gründung, deren Namen sich von Camien, Steinort, herleitet, galt stets als das Ende der Usedomer Welt. Geschützt von Golm und Steilküste schien dort nicht viel mehr zu geschehen als gelegentliche Winterstürme mit Hochwasser oder als täglicher Höhepunkt ein reichlicher Fang im Haff. Völlig abgeschieden wurde es, als unmittelbar östlich des Ortes die deutsch-polnische Grenze gezogen wurde. Doch seit 1992 ist es zumindest während der Sommermonate mit der Ruhe vorbei. Vom Hafen Kamminke fahren die beliebten Ausflugsschiffe aufs Haff, bis nach Altwarp und von dort geht es per Bus sogar bis Stettin.

Thurbruch

Reiseatlas: S. 221, E/F 3/4 Das Thurbruch am Südufer des Gothensees ist eine flache Landschaft, die mit ihren schnurgeraden Wasserläufen wunderbar zum Radeln, aber kaum abwechslungsreich fürs Auge ist. Doch dieses Feuchtgebiet, das seinen Namen aus dem Slawischen für »Auerochsensumpf“ erhielt, ist Zeugnis menschlicher Anstrengung, Land vom Wasser zurückzugewinnen.
Bis ins 18. Jh. war diese einstige, durch Dünenbildung von der Ostsee abgeschnittene Meeresbucht ein Urwald mit Tümpeln, Teichen und Sümpfen, in dem sich während des Dreißigjährigen Krieges die Bewohner auf verborgenen Inseln versteckt hielten. Zahlreiche Legenden rankten sich um die unzugängliche und unheimliche Gegend, vor allem die Geschichte um die »wilde Jagd>, eine berittene Horde, die besonders gern bei Sturm und Unwetter einsamen Wanderern Schrecken einjagte.

Unter Friedrich II. von Preußen wurde im 18. Jh. mit der Trockenlegung des Feuchtgebiets begonnen, das nur noch durch das schmale Flüsschen Beek, das vom Gothensee über Ahl- beck in die Ostsee mündet, mit dem Meer verbunden war. Der kleine Kach- liner See und auch der Gothensee sind noch die einzigen Überreste der einstigen Meeresbucht.

Das Windkraftschöpfwerk in dem kleinen Ort Kachlin wurde im Jahr 1920 gebaut und sollte helfen, den Wasserstand des Moorgebiets niedrig zu halten. Es war noch bis 1965 in Betrieb, danach wurde es jedoch dem Verfall preisgegeben. 1995 wurde es rekonstruiert und dreht sich nun wieder.

Wie groß das sumpfige Thurbruch einstmals gewesen sein muss, lässt sich an der Lage der Dörfer erkennen, die früher direkt am Rande des Feucht-gebiets gelegen haben. Ein Zeugnis der friderizianischen Bemühungen um das Thurbruch ist der Ort Ulrichshorst – nach dem preußischen Departe-mentsrat Ulrich benannt – am nördlichen Rand des heute unter Naturschutz stehenden Feuchtgebiets. Friedrich II. siedelte dort die ersten Kolonisten an, welche die Entwässerung des Thurbruchs überwachen sollten, da die einheimischen Bauern nur wenig Interesse an dieser Aufgabe zeigten. Um den Colonisten ihre Arbeit zu erleichtern, wurden alle Häuser auf einer Straßenseite mit Blick auf das Bruch gebaut.

Eines der Dörfer am Rande des Thurbruchs ist vor allem wegen seines Flugverkehrs bekannt. Nahe dem Ort Zirchow liegt der Flughafen Herings- dorf, der innerdeutsche Linienflüge ebenso anbietet wie Rundflüge für jene, die sich Usedom einmal von oben anschauen wollen. Bei Zirchow wurde jüngst eine riesige Ferienanlage gebaut. In Zirchow befindet sich eine der ältesten Kirchen der Insel. Die Jako- bus-Kirche wurde im 13. Jh. als Feld-steinkirche gebaut und später gotisch verändert. Berühmt ist sie vor allem als Motiv für die Bilder Lyonei Feiningers.

Taxi: Flauptstr. 28, Zirchow, Tel. 03 LäüJ 83 76/2 02 82

Bus: Verbindung vom Flughafen Heringsdorf (Zirchow) nach Heringsdorf.

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