VON ZINNOWITZ BIS PEENEMÜNDE


Kontraste prägen die Nordspitze Usedoms: Da ist zum einen das urbane Zinnowitz mit seinem reichen Kulturleben, vielfältigen Freizeitangeboten und üppigen Villen. Zum anderen gibt es die bescheidenen Badeorte Trassenheide und Karlshagen mit ihren fast einsamen Sandstränden, und schließlich Peenemünde, das mit seiner Geschichte der ehemaligen Heeresversuchsanstalt von Krieg und Zerstörung erzählt.

Ostseebad Zinnowitz

Reiseatlas: S. 218/219, C/D 3 Zinnowitz ist mit seinem urbanen Flair, den repräsentativen Bauten, die größer und manchmal auch wuchtiger sind als in den anderen Orten, und dem vielfältigen Kulturleben eine Besonderheit im ansonsten stillen Norden. Inmitten der idyllischen Landschaft betritt man plötzlich eine turbulente Kleinstadt, die sich herausgeputzt hat, als würde sie um den oft bemühten Titel >Perle der Ostsee’ in Wettbewerb treten, und mit Ehrgeiz und Elan nach immer weiteren Projekten sucht, die dem Badeort noch mehr Glanz verleihen könnten.

vinetabruecke-zinnowitz

Seebrücke mit Tauchgondel

Anfänge

Natürlich hat auch Zinnowitz einmal klein angefangen. Das einstmals slawische Dorf muss schon länger am Achterwasser existiert haben, als es erstmals 1309 als Tsyz (aus dem slawischen für Korn) in einer Schenkungsurkunde, durch die Herzog Bogislaw IV.
den Ort den Zisterzienserinnen des Klosters Krummin übereignete, erwähnt wurde.

Über die Jahrhunderte ging alles seinen Usedom-üblichen ärmlichen und kriegszerrütteten Gang – nach der Reformation wurde das Dorf wieder den Pommernherzögen, im Dreißigjährigen Krieg den Schweden zugesprochen -, bis Preußenkönig Friedrich II. beschloss, dass auch dieser Ecke seines Reiches wirtschaftlicher Fortschritt wohl täte. Er machte den Ort zur preußischen Domäne und ließ 1751 eine >Holländerei<, ein Milchgut, errichten, das er Zinnowitz taufte. Da es auf Usedom nicht genügend Bauern gab, die sich mit Milchwirtschaft auskannten, holte er Siedler aus ganz Deutsch-land, aber auch aus Holland, Schweden und Dänemark mit verlockenden Privilegien (drei Generationen lang kein Wehrdienst und freie Bauernschaft) auf die Insel. Die Erträge blieben dennoch mager, und so wurde das Domänengut verkauft und Jahre später vom ebenfalls enttäuschten neuen Gutsherrn stückchenweise an die Bauern und Pächter veräußert.

Das Domänengut [7] ist heute das älteste erhaltene Gebäude von Zinnowitz. Man findet es umgeben von zweckmäßigen landwirtschaftlichen Gebäuden am Neuendorfer Weg 21, der Verlängerung der Strandstraße Richtung Achterwasser.

Das Bäderwesen

100 Jahre nach Gründung des Domänenguts, im Jahr 1851, stellten die Zin- nowitzer, angeregt von den benachbarten Badeorten Heringsdorf und Swinemünde, den Antrag, ebenfalls Badeort werden zu dürfen. Badekarren wurden daraufhin aufgestellt, und es wurde das erste Hotel gebaut, eine Unterkunft namens Wigwam, in das die Gäste Hausrat, Bettzeug und Verpflegung selbst mitbringen mussten. Als 1863 die Bahnanbindung mit Wolgast fertig gestellt war, entstanden immer weitere Unterkünfte, mitsamt einer umfassenden Infrastruktur. Sogar eine imposante Backsteinkirche wurde 1895 gebaut, die immer noch mit ihrem Turm dem Stadtbild seine Kontur verleiht.

So vornehm, wie es sich die Zinno- witzer in Konkurrenz zu Heringsdorf und Swinemünde vorstellten, ging es hier jedoch zunächst nicht zu. Nicht der Adel, sondern der wohlhabende Mittelstand der Gründerzeit stieg nämlich in Zinnowitz ab. Nobelster Besuch blieb der letzte Kronprinz von Preußen, der in dem 1880 errichteten »Strandhotel’ einen Kuraufenthalt verbrachte, worauf das Haus in >Preußenhof< umbenannt wurde. Eine weitere Namensänderung erlebte das Hotel nach dem Zweiten Weltkrieg, als es die IG Bergbau übernahm und zum Bergarbeiterheim »Glückauf’ umbaute. Nun heißt das stilvoll restaurierte Haus wieder Preußenhof.

Sperrgebiet und Ferienzentrum

»Von allen Bädern weltbekannt, hat Zinnowitz den schönsten Strand. Ob Männer, Mädchen oder Fraun, hier werden Sie am schnellsten braun.« Der humoristisch gemeinte, aber doppeldeutige Werbespruch aus dem frühen 20. Jh. hatte in Zinnowitz einen durchaus ernst zu nehmenden Hintergrund. Die »braune Gesinnung’, auch deutsch-national genannt, entstand nicht erst nach 1933, sondern war in Zinnowitz bereits manifest, als man von einem Herrn Hitler noch nichts gehört hatte. Auf einer Versammlung im Jahr 1920 forderten Kurgäste und Einheimische, das »rein deutsche Gepräge zu erhalten«. Ausländer und insbesondere Juden waren unerwünscht. Bald hieß es unisono: »Fern bleib der Itz aus Zinnowitz.«

Das »rein deutsche Gepräge« bekamen die Zinnowitzer 1938 uneingeschränkt serviert, auch wenn sie es sich vermutlich dann doch etwas anders vorgestellt hatten: Wegen der Peenemünder Raketenforschungsanlage, die nunmehr militärische Brisanz erhielt, wurde der gesamte Peenemünder Haken einschließlich Zinnowitz zum Sperrbezirk erklärt. Statt gut zahlender Badegäste mieteten sich nun die leitenden Angestellten der Anlage im Seebad ein, darunter auch Wernher von Braun. In den Dünen wurde eine Funkmessstelle und im Wald zwischen Zinnowitz und Zempin eine Abschussrampe für die V1-Rakete aufgestellt.

Nach den ersten wirren Kriegsjahren begann buchstäblich die ‘große* Zeit von Zinnowitz. Der einstmals bürgerliche Ferienort wurde zum »Ersten See-bad der Werktätigen* erklärt. Zum wahren Massentourismusziel geriet Zinnowitz, als sich nach der -Aktion Rose«, der großen Enteignungswelle aller privaten Grundbesitzer und Unternehmer, der Feriendienst der Sowjetisch-Deutschen Aktien-Gesellschaft (SDAG) Wismut die »vom Staat übergebenen Ferieneinrichtungen« aneignete. Nun mühten sich die Kumpel aus den Uranerzbergwerken des Erzgebirges mit ihren Familien, ihre ruinierte Gesundheit mit Zinnowitzer Seeluft ein wenig zu kurieren. Gigantische Bauten wurden errichtet, um die werktätigen Massen unterzubringen, zu versorgen und zu unterhalten. Dazu gehörten das Kulturhaus, die Sportanlagen, die dann als »Nationales Trainingszentrum für Spitzensportler und Olympiakader* genutzt wurden, wie auch das Hotel -Roter Oktober*, das heute modernisiert Hotel Baltic heißt.

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