»WIE EIN VOGEL SCHWERELOS« – OTTO LILIENTHALS FLUGVERSUCHE


Das Haus in der Anklamer Peenestraße, in dem am 23. Mai 1848 Otto Lilienthal geboren wurde, steht schon lange nicht mehr. So weiß man also nicht, ob ein Fenster des Hauses einen Blick über den Fluss gewährte. Dann könnte man nämlich vermuten, dass der Junge mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Gustav mit Begeisterung und Interesse die Vögel beobachtete, die zu Tausenden über dem idyllischen Peenetalmoor dahinflogen. Vögel waren es nämlich, die den fantasiebegabten Tüftler dazu animierten, einen Flugapparat zu konstruieren, der auch den Menschen in die Lüfte hob.

Otto Lilienthal
Otto Lilienthal

Vielleicht stand hinter seiner Neugier aber auch die schmerzhafte Erfahrung, die ihm ein anderes Experiment bereitete. Eine der vielen Geschichten über die Lausbuben Liiienthal erzählt, dass die beiden im ersten Stock des Hauses mit selbst gemischtem Schießpulver experimentiert hatten und ihnen dabei die gar nicht so dumme Idee kam, wie man sich im Falle eines Feuers am besten retten könnte. Otto, bis zu seinem tragischen Ende stets seine eigene Versuchsperson, sprang kurzerhand aus dem Fenster. Da muss ersieh wohl Flügel gewünscht haben. Sein erstes Flugzeugmodell entwarf er immerhin im zarten Alter von 14 Jahren.

Die Begeisterung fürs Fliegen ließ die beiden Brüder ein Leben lang nicht mehr los. Die aufmerksame Beobachtung der Vögel kam ihnen dabei zugute. Otto veröffentlichte 1889 sogar ein Werk mit dem Titel >Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst>. Doch vor dem Tüfteln und Basteln stand auch hier zunächst das Geldverdienen. Otto studierte in Berlin Maschinenbau und gründete dort später eine mal mehr, mal weniger prosperierende Fabrik für Maschinen und Dampfkessel. Sein Bruder stand ihm in allen Bereichen zur Seite. Daneben schrieb Otto auch ein Theaterstück, offenbar mit wenig Erfolg, und erfand mit seinem Bruder den Steinbaukasten, den Vorläufer der bis heute allseits beliebten Bauklötzchen, sowie einen Modellbaukasten aus gelochten Leisten, zunächst aus Holz, später aus Metall. Reich wurden die Brüder Lilienthal damit jedoch nicht. Sie verkauften angesichts der geringen Verkaufszahlen entmutigt die Patente, die von anderen Firmen zu einer Goldgrube gemacht wurden. Als Geschäftsleute taugten die begabten Erfinder also herzlich wenig.

Die Flugapparate, die Otto in verschiedenen Variationen erfand, stets nach dem Vorbild des Vogelflugs, wirkten eher wie überdimensionierte Libellen oder Fledermäuse. Doch 1891 gelangen ihm erstmals »Flüge« am Windmühlenberg bei Potsdam über 10 bzw. 25 m, später sogar über 250 m. Das ermutigte ihn zu weiteren Experimenten, und so schuf er sich in Berlin-Lichterfelde ein eigenes Übungsgelände samt künstlichem Berg. Otto Lilienthals letzter Flug jedoch, den er am 9. August 1896 im brandenburgischen Stölln versuchte, brachte ihm den Tod. Er stürzte ab und verletzte sich so schwer, dass er einige Tage später in Berlin starb.

Sein Bruder Gustav – der 1933 in Berlin-Johannisthal an Herzversagen starb – setzte das Werk seines Bruders fort, allerdings kaum erfolgreich und offenbar nicht mit der entsprechenden Inspiration. Die hatte ein anderes Brüderpaar aus Amerika, Orville und Wilbur Wright, die 1903 das erste flugtüchtige Motorflugzeug konstruierten. Ihre Vorbilder, die Brüder Lilienthal, verleugneten sie dabei nie. Sie be- zeichneten sich selbst als deren Schüler.

Genau hundert Jahre nach dem ersten Flug Lilienthals wurde 1991 in Anklam das Otto-Lilienthal-Museum eröffnet (Okt.-April Di-Fr 10-16, So 14-17 Uhr, Mai-Sept. Di-Fr 10-17, Sa u. So 14-17 Uhr). Dort kann man nun anhand persönlicher Lilienthal-Memorabilia und interaktiver Experimente das Leben und Wirken der Erfinder des Flugzeugs nachvollziehen. In einem gläsernen Anbau sind darüber hinaus neun in Originalgröße nachgebaute Fluggleiter Otto Lilienthals ausgestellt. Sie muten so skurril an, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass es sich dabei um die Vorläufer der modernen Jumbo-Jets handelt.

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